Montag, 21. November 2011

Millimeterarbeit

Heute Vormittag wurde Dolcan 4´ fertiggestellt. Das Problem an diesem Streicher war, dass es in den oberen beiden Oktaven (also gis´´-g´´´´) zu flötig bzw. zu grundtönig klang. Das war immer sehr schade, denn sobald  man mit dem eigentlich sehr schönen Register eine gewisse Tonhöhe überschritten hatte, änderte sich mit einem Schlag der Klang von fein auf dick. 

Nach mehreren Probetönen hat sich OBM Giovanni Crisostomo mit OBM Piero Sandri dazu entschlossen, den Aufschnitt zu erniedrigen. Der Aufschnitt ist - vereinfacht gesagt - das (meistens rechteckige) "Loch" vorne in der Pfeife. 

Da die Pfeifen sehr klein sind, ist dies eine sehr schwierige Aufgabe, da ein winzig kleines Stück Zinn angelötet werden muss. Die Alternative wäre, den Pfeifenkörper vom Fuß zu trennen, den Pfeifenkörper auf Höhe des Labiums zu kürzen und wieder am Fuß anzulöten. Dies wäre ein bisschen einfacher, allerdings ginge hier zu viel Material der immerhin fast 63 Jahre alten Pfeifen verloren. Die andere Methode ist dagegen reversibel.

Die beiden haben mit ihrer Entscheidung sehr viel Feingefühl und vor allem Respekt vor den "Alten" gezeigt.
Dieser stark vergrößerte Ausschnitt (etwa 1:4) führt die Meisterleistung vor Augen: Links eine Pfeife mit altem Aufschnitt, rechts der durch Anlöten minimal verkleinerte Aufschnitt der Nachbarpfeife (fast nicht sichtbar, es geht hier um weniger als einen Millimeter). 

Vielleicht hatte ich im Vorfeld sogar ein bisschen Bedenken, ob wir diese Maßnahme, die ja doch einen Eingriff in das Pfeifenwerk darstellt, wirklich machen sollten. Vorhin konnte ich allerdings das Register im fertigen Zustand spielen: Es klingt so hervorragend, dass ich mir jetzt ganz sicher bin, dass dies die richtige Entscheidung war.

Nun geht es an der Oberlade im Schwellwerk weiter.

Hier zieht die Mixtur wieder in das Schwellwerk ein. Wie in einem älteren Post beschrieben, wurde sie zunächst auf dem Stock belassen, um die Pfeifen zu schonen, und "am Stück" in die provisorische Pfeifenwerkstatt im Roten Saal des Klosters transportiert. Dort wurde sie zerlegt und gereinigt und wieder in den Stock gestellt. Sie wird in den nächsten Tagen intoniert und gestimmt.

Und zum Schluss etwas ganz anderes: Eine Impression aus unserer Kirche, wie sich dort heute der Ambo präsentiert hat:
 
Und die Kirche wurde von der Sonne durchleuchtet.

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